Geschichte

Und so fing alles an

Im August 1977 begann in der Kath. Hochschulgemeinde Bielefeld ein generationsgemischter Gesprächskreis, dessen Teilnehmer über Probleme von alten und jungen Menschen diskutieren wollten.

Zwei Monate vorher hatten sich in Bielefeld Pflegekräfte freiberuflich nieder gelassen und betreuten alte, kranke und behinderte Menschen in deren Wohnungen. Die Altenpflegerinnen und weitere Pflegekräfte aus ihrem Bekanntenkreis trafen sich nun regelmäßig mit alten Menschen und interessierten Studenten der Universität Bielefeld. Neben gesellschaftspolitischen Diskussionsthemen sprachen die Pflegekräfte über ihre Arbeit. Die Studenten interessierten sich für die "praktische" Altenhilfe. Die älteren Teilnehmer in der Runde gaben Tipps und Anregungen aus ihren Berufs- und Lebenskenntnissen.

Die dem Gesprächskreis der Generationen zu Grunde liegende Philosophie orientierte sich an den Wünschen der älteren und behinderten Menschen und schloss ebenso die Bedürfnisse der jungen Helfer mit ein. Dadurch entwickelte sich ein am Menschen orientiertes Dienstleistungsangebot, welches bis heute weiterentwickelt wird.

Im November 1977 bestand der Gesprächskreis aus 12 jüngeren und 7 älteren Teilnehmern, Studenten, Rentnern, Hausfrauen, Arbeitssuchende und Altenpfleger wollten "miteinander arbeiten, voneinander lernen und einander helfen". Neben den persönlichen Kontakten boten die jüngeren Teilnehmer ihre Hilfe für alltägliche Arbeiten bei alten Menschen an, die auf fremde Hilfe angewiesen waren.

Vereinsgründung

Der Gesprächskreis der Generationen wuchs sehr schnell an Mitgliedern, ebenso wie die Nachfrage von Hilfe suchenden Bürgern mit der Bitte um stundenweise Hilfe im Haushalt, beim Kochen, Einkaufen, Vorlesen, Spazieren gehen. Pflegetätigkeiten übernahmen die Fachkräfte.
Im März 1978 gründeten 30 Mitglieder des Generationengesprächskreises den Verein Freie Altenarbeit e.V. Die ambulante Arbeit trat in den Vordergrund der Vereinstätigkeit. Im Gründungsmonat wurden bereits 30 ältere und behinderte Bürger aller Altersgruppen in Bielefeld regelmäßig betreut.
Über ein Notruftelefon konnten Hilfe suchende Bürger Dienstleistungen anfordern. Auf dem wöchentlichen "Plenum" wurden die Arbeiten besprochen und verteilt.
Bei Beschwerden meldeten sich die Hilfe suchenden Bürger beim Verein. Jeder Mitarbeiter hatte seine Arbeit selbstständig durchzuführen und zu verantworten.

Sozialpolitische Arbeit

Ab Herbst 1979 begannen die Mitglieder des Verein Freie Altenarbeit mit sozialpolitischen Initiativen und Projekten. Hierbei ging es um die Verbesserung der Lebens- und Versorgungssituation alter und behindeter Menschen im ambulanten und stationären Bereich.
Insbesondere Menschen mit besonderem Hilfebdearf sollten eine indidviduelle Hilfe in der eigenen Wohnung erhalten. Ende 1979 arbeiteten bereits 40 Mitarbeiter freiberuflich im Verein. Altenpfleger, Krankenpfleger, Erzieher, Hauswirtschaftskräfte und Studenten der Studiengänge Soziologie, Dipl. Pädagogik, Sozialarbeit und Sozialpädagogik beteiligten sich neben der praktischen Arbeit an politischer und Öffentlichkeitsarbeit. Flugblätter zu Missständen in der Altenhilfe und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen machten den Verein schnell bekannt.
Im September 1980 organisierte der Verein Freie Altenarbeit e.V. das erste Bundestreffen für Alten- und Selbsthilfegruppen. Zwanzig Vereine und Initiativen junger und alter Menschen nahmen teil. Der spätere Nachfolger dieser Bundestreffen ist die heutige Bundesvereinigung Forum für Gemeinschaftliches Wohnen e.V.

Stadteilgruppen

Im November 1980 unterteilten sich die mittlerweile 56 Mitarbeiter des Vereins in vier Stadtteilgruppen.
Die 8 bis 14 Mitglieder der jeweiligen Stadtteilgruppe organisierten ihre Arbeit eigenständig. Koordinierend wirkte ein Büro, das abwechselnd von den Mitarbeitern besetzt wurde. So hatte jeder Einblick in den Gesamtumfang der Arbeit.
Die Stadteilgruppen waren in
Bielefeld-Brackwede
Bielefeld - Ost
Bielefeld West
und Bielefeld Mitte

Helfer und Hilfe suchende Bürger

In den Stadtteilen nahm der Bürodienst Anfragen von alten und behinderten Menschen, deren Angehörigen oder Nachbarn, von Sozialdiensten und Behörden entgegen und besprach am Telefon Art und Umfang der gewünschten Hilfe. Auf dem wöchentlichen Teamtreffen der Mitarbeiter wurde besprochen, wer und in welcher Form die Arbeit übernehmen konnte. Die Hilfe suchenden Bürger konnten darüber entscheiden, von wem sie betreut werden wollten, z. B. wenn eine Hilfe suchende Frau lieber von einer Frau gepflegt werden wollte, wurde dies immer ermöglicht.
Die Mitarbeiter stellten sich bei den Hilfe suchenden Bürgern vor und besprachen die Form der Hilfe. Stundenumfang und Arbeitsanforderungen wurden täglich in einem Buch, das in der Wohnung des alten Menschen aufbewahrt wurde, dokumentiert. Dies diente der gegenseitigen Information und Absicherung der Arbeit. Angehörige, Freunde und Nachbarn nutzten dieses offene Buch, um eigene Anregungen, Ideen und Fragen einzutragen. Das Buch gab am folgenden Tag Antwort durch den zuständigen Mitarbeiter.

Individuelle Abrechnung

Die Dienstleistungskosten wurden den Leistungsempfängern in Rechnung gestellt und individuell rechnete der jeweilige alte oder behinderte Mensch oder die von ihm beauftragte Vertrauensperson die Kosten mit dem Sozialamt, der Krankenkasse oder anderen in Frage kommenden Kostenträgern ab. Krankenkassenabrechnungen erfolgten seit dem 1.1.1991 direkt zwischen Pflegeteam und Kostenträger. Es bestand ein schriftlicher Vertrag zwischen dem Verein und der Krankenkasse.

Helfer und Hilfe suchende Bürger besprachen täglich die anfallende Arbeit. Die Arbeit wurde von einem festen Team durchgeführt, so dass sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen konnte. Bei Unstimmigkeiten, die miteinander nicht gelöst werden konnten, wechselte der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin oder der Hilfesuchende/die Hilfesuchende suchte sich eine andere Pflegeinstitution.
1995 wurde mit den Pflegekassen ein Pflegevertrag entsprechend SGB XI abgeschlossen.
Es folgten die Verträge über Leistungen der ambulanten Hilfe für behinderte Menschen und Leistungen der Anderen Verrichtungen.

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